Jan
13
2012

DIE LEGENDE LEBT: 30 JAHRE PANKOW!

Pankow

Sie galten als die Rolling Stones des Ostens. Und sie erwiesen sich als ähnlich zäh und langlebig wie die Briten. Nun haben Pankow drei Jahrzehnte Rock auf der Anthologie „In Aufruhr“ zusammengefasst.

Von Ernst Hofacker 

Bis heute sind Sänger André Herzberg und Gitarrist Jürgen Ehle Herz und Seele der DDR-Rocklegende Pankow. Miteinander hatten sie es nicht leicht, ohne den jeweils anderen aber fehlte etwas. Fast zehn Jahre lang – von der Bandgründung 1981 bis zur Wende – hatten die beiden das Rückgrat dieser neben Silly vielleicht wichtigsten DDR-Band gebildet. Mit Stücken wie dem „Werkstattsong“, „Die wundersame Geschichte von Gabi“, „Langeweile“ und „Er will anders sein“ formulierten sie die Gemütslage im Arbeiter- und Bauernstaat pointiert und provokant, was oft genug heftigen Ärger mit der Zensur nach sich zog. Das berühmte Rockmusical „Paule Panke“ etwa, das die Band bereits 1981 auf die Bühne gebracht hatte, durfte wegen seiner kritischen Texte lange nicht auf Schallplatte erscheinen, erst 1989, kurz vor dem Mauerfall, wurde es auf dem staatlichen Plattenlabel Amiga veröffentlicht – eine Kultfigur war der Held dieses Rockspektakels da schon längst.

1990 verließ André Herzberg die Band, um sich neue Projekten zu widmen, für ihn kam Jens Jensen. Als eine der wenigen Ostrock-Acts fand sich Pankow in den kommenden Jahren im gesamtdeutschen Musikbetrieb zurecht, regelmäßig gab die Gruppe Konzerte, dazu vertonte sie Anthony Burgess’ Roman „Clockwork Orange“ für eine Theaterinszenierung an der Landesbühne Sachsen-Anhalt und brachte mit „Vierer Pack“ (1994) und „Paparazzia“ (1996) zwei neue Alben heraus.

1996 erwies sich im übrigen als Schicksalsjahr in der Pankow-Geschichte: André Herzberg kehrte zurück. Während des Reunion-Konzerts im Berliner Tränenpalast am Ende dieses Jahres erklärte der Sänger auf offener Bühne, dass Jürgen Ehle als IM „Peters“ für die Stasi spioniert habe. Ein Schock, den die beiden Schlüsselfiguren der Band jedoch ausgehalten haben, der sie letztlich für die zweite Hälfte der Pankow-Saga zusammengeschweißt hat. Übrigens auch eine weitere Parallele zu den Rolling Stones, deren Existenz in den späten achtziger Jahren am Konflikt um Mick Jaggers Solokarriere (Keith Richards: „Verrat!“) fast zerbrochen wäre.

Ende 1998 trennten sich Pankow, kamen aber fünf Jahre später wieder zusammen. Nach diversen Tourneen und dem Album („Nur aus Spaß“, 2006) brachte die Band zum 30-jährigen Jubiläum mit „Neuer Tag in Pankow“ ein weiteres Studioalbum auf den Markt und ging auf anschließend auf Tour. Im selben Jahr erschien die Anthologie „In Aufruhr“, die den langen, steinigen Weg von Herzberg, Ehle & Co. von den Anfängen bis heute nachzeichnet.

André Herzberg selbst brachte das künstlerische Credo von Pankow einmal auf den Punkt: „Wir liefern keine konzertantige Ostrock-Schwulstlyrik.“ Stattdessen gibt es bei Pankow seit drei Jahrzehnten Musik von der Straße für die Straße, aufmüpfig, rotzig, provokant. Immer in Aufruhr.